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Kommunales Kino Oberkirch
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Programm

07.12.2021 - 20:00

EIN MANN NAMENS OVE; SWE 2015; R. Hannes Holm

Mit viel hintergründigem Witz und Herz erzählt Regisseur und Drehbuchautor Hannes Holm diese hinreißende Komödie über eine unerwartete Freundschaft und eine große Liebe. In der Titelrolle brilliert Schwedens Schauspielstar Rolf Lassgård:

Der grantige Rentner Ove, der ständig etwas zu meckern hat, hat eigentlich mit dem Leben längst abgeschlossen. Seit dem Tod seiner geliebten Frau hat er mehrfach versucht, sich umzubringen, was aber immer durch höhere Gewalt verhindert wurde. Auch sein neuester Selbstmordversuch wird durch die neuen Nachbarn unterbrochen, die beim Einzug Oves Briefkasten umnieten. Wutentbarnnt will er die Eindringlinge zurechtweisen - und findet überraschend einen neuen Sinn in seinem Leben.

Wenn schon zu Beginn eines Films eine der Figuren einen Selbstmordversuch unternimmt, wie hier in der schwedischen Produktion „Ein Mann namens Ove“ von Hannes Holm, dann werden mit einem solchen Paukenschlag unweigerlich drängende Fragen nach dem Warum befeuert: Was ist passiert? Gibt es noch Hoffnung? Erste Antworten gibt es in der Verfilmung des gleichnamigen Bestsellerromans von Fredrik Backman recht bald und da es sich um eine optimistische Tragikomödie handelt, ist für den zum Strick greifenden Titelhelden noch nichts verloren. Aber vorerst nimmt er immer wieder neue Anläufe zum vermeintlich erlösenden finalen Akt.

18.01.2022 - 20:00

AUßER ATEM; F 1960; R. Jean Luc Godard

Außer Atem ist der erste Film unserer kleinen Belmondo-Reihe zu Ehren des im letzten Herbst verstorbenen Schauspielers:

Direkt mit seinem ersten Film Außer Atem revolutionierte Jean-Luc Godard das Kino und setzte den Impuls für eine ganze Flut von kreativen französischen Filmen, die später als Nouvelle Vague zusammengefasst werden würde.

Der Kleinganove Michel ist nach einem Polizistenmord auf der Flucht und taucht bei der attraktiven Amerikanerin Patricia unter. Michel will sich mit ihr nach Italien absetzen, während die Polizei auf ihre Mithilfe drängt. Patricia muss sich entscheiden. Jean-Luc Godards erster längerer Spielfilm nach einer Geschichte von François Truffaut ist eine Hommage an den amerikanischen Film noir. Bis heute zählt »Außer Atem« zu den Meisterwerken der Filmgeschichte. Ausgezeichnet mit dem Silbernen Bären, dem Prix Jean Vigo und dem Preis des Syndicat Français de la Critique de Cinéma.

Bereits 1959, ein Jahr bevor Außer Atem erschien, drehten Francois Truffaut mit Sie küssten und sie schlugen ihn und Alain Resnais mit Hiroshima mon amour die ersten Werke, die sich der Nouvelle Vague zuordnen lassen, doch erst Godards Klassiker vitalisierte die Strömung und trat mit seiner unbändigen Energie und Coolness etwas los, das sich noch jahrelang halten würde.

Bemerkenswerterweise wirkt Godards Werk auch sechzig Jahre nach seiner Veröffentlichung kein bisschen angestaubt, sondern begeistert mit Verve und einer Coolness, die absolut nicht aufgesetzt, sondern jederzeit natürlich erscheint.

 

01.02.2022 - 20:00

DER PROFI; F 1981; R. G. Lautner mit J.P. Belmondo

Der französische Geheimagent Joss Baumont (Jean-Paul Belmondo) wird in einen kleinen afrikanischen Staat geschickt, um dessen Präsident Njala zu exekutieren. Doch noch bevor Beaumont zuschlagen kann, ändert sich die politische Lage und seine Vorgesetzten liefern Beaumont den örtlichen Behörden aus. Der langen und qualvollen Gefängnisstrafe entkommt Beaumont nur durch einen waghalsigen Ausbruch. Zurück in Paris informiert er seine ehemaligen Vorgesetzten über seine Anwesenheit – und über seinen Plan Njala, der gerade zu Besuch in Frankreich ist, doch noch zu ermorden. Dermaßen bedrängt, versucht der gesamte französische Geheimdienst Beaumont mit allen legalen und illegalen Mitteln, die sich auch gegen Beaumonts Freunde und Familie richten, aus dem Weg zu schaffen. Doch sie haben wenig Chancen gegen den "Profi"...

 

"Der Profi" ist ein vollkommen auf Belmondo zugeschnittener Actionfilm mit coolen Sprüchen, einem selbstherrlichen Star in eitlen Posen und der ein oder anderen Handgreiflichkeit. Mit dieser Erwartungshaltung wird man nicht enttäuscht, erweitert man seinen Blick jedoch, kann man weitaus mehr entdecken: Denn zwischen den Zeilen ist „Der Profi" ein düsteres Drama über die narzisstischen Störungen eines altmodischen Heldentypus, der in einer Welt schnell wechselnder Fronten nur noch seinem persönlichen Amoklauf frönt. Halb düsteres Drama – halb heitere Action: immer jedoch ein großes Filmvergnügen.

22.02.2022 - 20:00

THE FAREWELL; US/China 2019; R. Lulu Wang; 100Min.

Die chinesischstämmige AmerikanerinBilli (Awkwafina) ist in New York aufgewachsen, steht aber im regelmäßigen Telefonkontakt mit ihrer Großmutter in China, ihrer ,,Nai Nai" (Zhao Shuzhen). Von ihren Eltern erfährt sie, dass Nai Nai Krebs hat, die Familie ihr ihre tödliche Krankheit jedoch verschweigen möchte. Damit sie sich verabschieden können, wird als Vorwand eine Hochzeit in der Heimatstadt organisiert.

The Farewell steckt voller gelungener Details. Die Haupt- und Nebenfiguren sind liebevoll gezeichnet; ihre Interaktionen sind oft skurril, aber mindestens ebenso oft anrührend.

"Eine berührende Geschichte von Liebe, Nähe und kulturellen Wahrheiten. Eine Ausnahmefilm." (Der Spiegel)

Billi liegt mit ihrer Familie in Widerspruch darüber, wie man Liebe ausdrücken sollte. „Es ist unsere Pflicht, diese emotionale Bürde für Nai Nai zu tragen“ sagt Billis Mutter zu ihr. Billi ringt mit den Illusionen, die notwendig sind, um die fragilen Verbindungen der Familie zu einem ,,Großen Ganzen“ aufrecht zu erhalten. Angesichts des bevorstehenden Verlustes werden der Schmerz und die Frustrationen der Familie sichtbar, die trotz ihrer Zersplitterung (China-USA-Japan) versucht, der Verpflichtung an dieses Große Ganze gerecht zu werden.

Für viele heitere Momente inmitten all der Spannung sorgt Nai Nai, die von all dem völlig unbekümmert ist. Zurück bei ihrer geliebten Großmutter wird Billi nachdenklich über ihre Identität als Migrantin. China empfindet sie als fremd und vertraut zugleich: Was wäre, wenn sie China nie verlassen hätte? ,,Nach einer wahren Lüge “ basiert die Handlung auf persönlichen Erfahrungen der Regisseurin Lulu Wang. Wie der Film wiedergibt, weder hier noch dort richtig Zuhause zu sein, fühlt sich authentisch an.

08.03.2022 - 20:00

WELTFRAUENTAG - DIE PAZIFISTIN; CH 2021; R. Chiquet/Affolter; 75 Min. ab 0

Am internationalen Weltfrauentag zeigen wir einen ganz besonderen Film über eine vergessene Heldin:

Mit dem Dokumentarfilm «Die Pazifistin» bringen uns Fabian Chiquet und Matthias Affolter die vergessene Gertrud Woker, die Forscherin, Frauenrechtlerin und Friedensaktivistin, nahe – und machen damit einen ersten Schritt zu ihrer Rehabilitation.

Die Schweizer Chemikerin, Friedensaktivistin und Frauenrechtlerin Gertrud Woker (1878-1968) kämpfte als erste Chemiedozentin im deutschsprachigen Raum für eine verantwortungsvolle Wissenschaft und gegen die Entwicklung von Gas- und Atomwaffen. Damit schaffte sie sich mächtige Feinde. Nach ihrem Tod verschwand sie aus dem kollektiven Gedächtnis. Der Film begibt sich auf eine Spurensuche und erzählt in kunstvollen Collagen von einer Frau in einer Vorreiterrolle, deren Anliegen bis heute brandaktuell sind.

«Mit diesem Film wollen wir der vergessenen Geschichte einer herausragenden Frau Geltung verschaffen. Gertrud Wokers Geschichte ist aktuell, weil sie ihrer Zeit auf verschiedenen Gebieten voraus war: Sie forderte gleiche Rechte für Frauen, internationale Verständigung statt Nationalismus, Verantwortung der Wissenschaft und interdisziplinäres Denken. Mit ihren kühnen und neuartigen Ideen stellte sie sich gegen die Konventionen ihrer Zeit und nahm vieles vorweg, was erst nach ihrem Tod umgesetzt wurde – und bis heute aktuell bleibt», heisst es im Kommentar der Filmemacher Fabien Chiquet und Matthias Affolter.


Die Formen der sexuellen Gewalt gegen Frauen kennen wir aus den Medien; weniger bekannt sind die Formen der strukturellen Gewalt, wie sie Gertrud Woker erleben musste. Sie war, wie wir aus dem Film erfahren, eine grossartige Frau, klug und liebenswert, originell und engagiert, musste aber, weil sie eine Frau war, Behinderung und Erniedrigung erfahren. Trotz ihrer von der Forschung bezeugten Bedeutung ist sie auch heute erst wenig bekannt. Es ist zu hoffen, dass «Die Pazifistin», der klug recherchierte und fantasievoll gestaltete Film, ihr zum Durchbruch und angemessenen Platz in der Geschichte verhelfen wird.

Der animierte, teils auf mehreren Ebenen spielende Film erzählt collagenhaft das Leben und die Errungenschaften von Gertrud Woker. Mit Tagebucheinträgen, wissenschaftlichen Berichten und eigenen Gedichten überzeugt der Film durch inhaltliche und formale Originalität, Authentizität und Leidenschaft. Diese Biografie könnte helfen, die Gegenwart durch die Vergangenheit zu verstehen, um es in Zukunft ein wenig besser zu machen. Obwohl es Gertrud Woker nicht vergönnt war, die Resultate ihres 90-jährigen Kampfes zu erleben, kann ihre Geschichte uns Heutigen Mut machen. Trotz Rückschlägen, Niederlagen und Anfeindungen blieb sie bis an ihr Lebensende produktiv und kämpferisch, liess sich nicht vereinnahmen, als «knorriger Eichbaum inmitten der Ödnis», wie sie sich selbst beschrieb.

 

22.03.2022 - 20:00

Umweltreihe mit PAuLA u. BUND: UNSER BODEN, UNSER ERBE: D 2019; R. Marc Uhlig; 79 Min. ab 0

Die dünne Humusschicht des Bodens versorgt alle Menschen auf der Welt mit Lebensmitteln, sauberem Trinkwasser und sauberer Luft. Und sie kann das Klima retten. Denn gesunde Böden sind nach den Ozeanen der größte Speicher für Treibhausgase und tragen wesentlich zur Senkung von CO2 bei. Aber um zehn Zentimeter fruchtbare Erde zu bilden, braucht unser Planet mehr als 2.000 Jahre. Und dennoch nutzen wir unsere Böden, als wären sie unerschöpflich. Damit ist unsere Lebensmittelquelle gefährdet – durch uns Menschen! Was bedeutet das für die Zukunft? Wie muss sich die Landwirtschaft, die Gesellschaft ändern, damit wir unseren Kindern eine lebendige Welt mit lebendigen Böden weitergeben können?

Der Dokumentarfilm „Unser Boden, unser Erbe“ zeigt, wie wichtig und zugleich extrem bedroht unsere Lebensgrundlage, der Boden ist. Regisseur Marc Uhlig vermittelt eindringlich, warum die kostbare Ressource unsere größte Wertschätzung verdient. Denn wir alle können zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit beitragen ob als Landwirt, Gärtner oder Konsument im Supermarkt! Experten wie TV-Köchin Sarah Wiener und Umweltwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker geben wertvolle Denkimpulse. Ein inspirierendes Plädoyer für eine zukunftsfähige Landwirtschaft und nachhaltige Ernährung.