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Kommunales Kino Oberkirch
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Programm

26.03.2019 - 20:00 Uhr

LUCKY; USA 2017; R. John C. Lynch

Der geniale Harry Dean Stanton (Paris, Texas) hat kurz vor seinem Tod eine letzte Hauptrolle geschenkt bekommen: In "Lucky" spielt er eine knurrige Version seiner selbst, die sich vom Leben verabschiedet.

Der 90-jährige Lucky lebt allein in der Einöde, irgendwo im Südwesten Amerikas. Er ist alleine, doch nicht einsam. Für sein Alter ist er außerdem erstaunlich agil: Jeden Tag beginnt er mit Yoga, dann kauft er sich ein paar Zigaretten und verbringt den Abend in der Bar um die Ecke. Doch eines Tages erlebt er einen Schwächeanfall und beginnt, sein Leben zu hinterfragen.

Lucky" mag ein stiller Film sein, subtil ist er nicht. Exakt in der Mitte ertönt die Johnny-Cash-Version von "I See a Darkness", am Ende singt Harry Dean Stanton das Trennungslied "Volver Volver", geht wieder trinken, sagt ein paar besonders grundlegende Sätze - und schenkt uns ein wunderschönes Lächeln zum Ende hin.

Harry Dean Stanton starb im Herbst 2017 im Alter von 91 Jahren; so wurde sein Auftritt im Regiedebüt des Schauspielers John Carrol Lynch zu seiner letzten Rolle. Die Titelfigur ist ihm in mehr als einer Hinsicht auf den Leib geschrieben und damit zum speziellen Vermächtnis an den Kinozuschauer geworden.

»Harry Dean is LUCKY« steht im Vorspann des Films. Das bedeutet in diesem Fall mehr als dass der Schauspieler hier eine Figur namens Lucky verkörpert: Die Rolle ist Stanton auf den Leib geschrieben, sie wurde für ihn (und aus ihm) entwickelt; der Schauspieler und Produzent Logan Sparks, einer der beiden Drehbuchautoren, war lange Jahre befreundet mit Stanton, einem der großen Nebendarsteller des amerikanischen Kinos, mit denkwürdigen Auftritten unter anderem in John Carpenters »Die Klapperschlange«, Ridley Scotts »Alien«, Arthur Penns »Duell am Missouri« und Robert Altmans »Fool for Love«. Seine besten Jahre vor der Kamera hatte er zu den Zeiten von New Hollywood, als aus Nebendarstellern wie Gene Hackman plötzlich Stars wurden und besagten »character actors« größere Parts anvertraut wurden. Mit der Hauptrolle in Wim Wenders' »Paris, Texas« erreichte Stanton dann 1984 ein ganz anderes Publikum. An das Kino des New Hollywood erinnert »Lucky« im besten Sinne, sein Plot ist minimal, im Vordergrund stehen die Figuren und ihre Eigenheiten.

07.05.2019 - 20:00 Uhr

Kino Frankreich: EINE BRETONISCHE LIEBE; F 2017; R. Carine Tardieu

Erster Film unserer Reihe "Kino Frankreich": Mit charmanter Leichtigkeit widmet sich Carine Tradieu in ihrer klugen, kunstvollen Komödie den großen Themen der menschlichen Existenz mit einem hervorragenden Cast,

Jede Familie hat ihre Geheimnisse, lebt mit den kleinen und großen Lügen, den Brüchen des eigenen Daseins. Die einen halten sie unter der Oberfläche der bürgerlichen Existenz verborgen, andere tragen sie offen zur Schau und wieder andere wissen gar nichts von den eigenen Geheimnissen – so wie Erwan (François Damiens). Er ist Bombenentschärfer. Einst rettete er Leben in den Krisenregionen dieser Welt, doch als seine Frau starb, kehrte er nach Frankreich zurück, um sich um die gemeinsame Tochter Juliette zu kümmern. Die ist nun erwachsen – und schwanger. Von wem, weiß sie nicht oder gibt vor, es nicht zu wissen. Um einen genetischen Defekt auszuschließen, den einige Familienmitglieder tragen, machen sie und Erwan einen DNA-Test. Der bringt zutage, dass der Mann, den Erwan seit mehr als 40 Jahren für seinen Vater gehalten hat, gar nicht sein biologischer Vater ist.....

Selten hat jemand mit so viel Witz und Ernsthaftigkeit zugleich von den Tragödien der menschlichen Existenz erzählt. »Ich dachte, meine Familie sei banal«, sagt Erwan einmal. Banale Familiengeschichten? Die gibt es nicht – schon gar nicht so schön und clever erzählt.

Die beiden Hauptdarsteller Damiens und de France sind ebenso wie alle anderen Darsteller einer der großen Glücksgriffe Tardieus: Damiens als gutmütiger, etwas unbeholfener Erwan mit viel Sinn für Humor, und de France als selbstbewusste, kratzbürstige und doch verletzliche Anna, die sich um ihren alten Vater kümmert, dabei aber ihr eigenes Leben zu leben vergisst. Beide beweisen bei ihren Treffen jeweils ein mehr als unglückliches Timing in ihrem Agieren und geben doch das perfekte Paar ab. Auch das trägt zum Charme des Films bei.

 

21.05.2019 - 20:00 Uhr

Kino Frankreich: MADAME AURORA, F 2017; R. Blandine Lenoir

Zweiter Film in der Reihe "Kino Frankreich".  Anders als der deutsche Verleihtitel nahelegt, handelt es sich bei der in die Jahre kommenden Aurore um eine flotte, charmante und eigensinnige Heldin.

Mit Erklärungen hält sich dieser Film genau wie seine Hauptfigur lieber nicht auf. Mitten hinein in Aurores Leben taucht die Erzählung, und dieses Leben als geschiedene Mutter zweier erwachsener Töchter ist im Grunde gar nicht so schlecht. Wenn da nicht diese Hitzewallungen wären. Sie rühren wohl von den hormonellen Veränderungen her, die heute statt Wechseljahre eher Menopause genannt werden – beides leicht befremdliche Bezeichnungen, wie Aurore feststellt. Dann kommen noch ein paar Veränderungen hinzu, die ebenfalls an die Nerven gehen: Aurore verliert ihren Job als Bedienung in einem Restaurant, weil der neue Chef dämliche Regeln aufstellt, die sie beim besten Willen nicht akzeptieren kann. Außerdem will Aurores jüngere Tochter zu ihrem Freund ziehen, was bedeutet, dass die geschiedene Frau bald allein wohnen wird. Die ältere Tochter dagegen ist schwanger, und auch die heraufziehende Großmutterschaft stellt Aurores Selbstbild in Frage.

Blandine Lenoir erzählt diese Geschichte vom Verstreichen der Zeit und den damit einhergehenden Anpassungsschwierigkeiten, ohne sich an einen stringenten Plot zu klammern. Mäandernd kommen die Handlungsfäden zusammen, und die Lässigkeit der Inszenierung wie auch des Spiels der großartigen Agnès Jaoui (»Lust auf Anderes«) in der Hauptrolle nehmen sehr schnell für den Film ein.

04.06.2019 - 20:00 Uhr

Kino Frankreich: DIE FEINE GESELLSCHAFT; F 2016; R. Bruno Dumont

Die französische Opalküste ist ein malerisch schöner Ort. Kein Wunder, dass sich das städtische Bürgertum Anfang des 20. Jahrhunderts diese Idylle als sommerliches Ausflugsziel wählte. Die örtlichen Fischer, die von den neureichen »Sommerfrischlern« wie Figuren in einem Tableau vivant bewundert werden, beobachten in »Die feine Gesellschaft« die Symptome dieser »Gentrifizierung« mit Missfallen.

Mit der Zeit verschwinden immer mehr Sommergäste spurlos. Unruhe breitet sich aus, die van Peteghems fühlen sich in ihrem Idyll bedroht. Da tritt der wohlbeleibte örtliche Inspektor Blading (Didier Desprès) auf den Plan und nimmt in aller Ruhe und Behäbigkeit die Ermittlungen auf.

Die Szenenfotos aus Bruno Dumonts Film, der 2016 in Cannes seine Premiere feierte, täuschen. Denn wer hier einen pompös ausgestatteten Kostümfilm, eine romantische Komödie oder eine Tragödie vermutet, irrt sich gewaltig. „Die feine Gesellschaft“ ist eine Groteske mit einer skurrilen, teilweise ziemlich rohen Geschichte und unglaublich überzogenen Charakteren. Sie spielt im Sommer 1910 an der französischen Normandieküste. Hier verbringen die van Peteghems, eine Adelsfamilie, alljährlich in ihrer burgähnlichen Villa mit Blick aufs Meer ihren Urlaub. Zu der Adelsfamilie gehören der stets gekrümmt durch die Welt stolpernde André, seine nervlich angegriffene Frau Isabelle, ihre beiden Töchter, der verwirrte Bruder von Isabelle, Andrés lautstarke Schwester Aude und ihr Sohn Billie. Billie lebt in seiner eigenen Welt, gibt sich meist als Mädchen aus – mal in Kleidern, mal in Anzügen, mal mit langen, dunklen Locken, mal mit Kurzhaarfrisur. Während oben auf der Steilküste die Aristokraten wohnen, leben unten im Schmutz die Dorfbewohner, arme Miesmuschelsammler wie die Familie Rohbrecht. Vater Rohbrecht und sein Sohn Lümmel verdienen sich außerdem ein kleines Zubrot, indem sie die Sommerfrischler übers Wasser auf die andere Seite der Bucht bringen. Doch in diesem Sommer sind bereits mehrere der reichen Touristen verschwunden, weshalb die Polizisten Blading und Böswald, die dem US-amerikanischen Komiker-Duo Laurel und Hardy verdächtig ähneln, hier ermitteln. Schon bald wird dem Zuschauer klar, wo die verschwundenen Sommerfrischler landen – nämlich im Kochtopf der ewig hungrigen Rohbrechts. Genug Stoff eigentlich für eine Komödie. Doch damit nicht genug, verlieben sich der Unterschichtler Lümmel und das vermeintliche Mädchen Billie ineinander. Gezwungenermaßen müssen nun die beiden so unterschiedlichen Familien miteinander verkehren, bis es zur Tragödie kommt. Denn als der Rohbrechtjunge mitbekommt, dass Billie „Eier“ hat, fühlt er sich nicht nur betrogen, sondern so gedemütigt, dass klar ist, wer sein nächstes Opfer sein wird.

Zwei Stunden nahm sich Bruno Dumont („Camille Claudel 1915“, „Kindkind“) Zeit für seine überschäumende Groteske, die voller komischer Einfälle und Slapstickeinlagen ist, mit einer vorzüglichen Besetzung aufwartet, einer witzigen Geräuschkulisse arbeitet und drastische wie außergewöhnliche Bilder bereithält.

25.06.2019 - 20:00 Uhr

Kino Frankreich: DIE GRUNDSCHULLEHRERIN; F 2016; R. Hélené Angel

Ein anstrengender und lohnender Beruf? Mit Sarah Forestier in der Titelrolle erzählt Hélène Angel in ihrem Film von Schule und Erziehung als persönliche Herausforderung: Eine engagierte Grundschullehrerin gibt alles für ihre Schüler, um ihnen einen perfekten Start ins Leben zu bereiten. In privater Hinsicht verläuft ihr Leben jedoch eher chaotisch, denn sie ist alleinerziehend und findet kaum Zeit für ihren Sohn, der daher zu seinem Vater ziehen möchte. Zudem hat sie einen neuen Schüler in ihrer Klasse, der ihre volle Aufmerksamkeit fordert, was sie dazu zwingt, ihr Leben in den Griff zu bekommen.

»Die Grundschullehrerin« ist ein überaus konzentrierter und dichter Film, der ebenso Einblicke in den schulischen Alltag bietet wie in die Prämissen und Ziele der angebotenen Erziehung. In diesem Kontext weisen die Einzelereignisse der Handlung über sich hinaus und zielen ins Allgemeine, wird das Geschehen zum Spiegel der gesellschaftlichen Verfasstheit – ohne jedoch, und das erfreut an einem Film eines solchen Themas natürlich besonders, oberlehrerhaft aufzutrumpfen. Was zum einen daran liegt, dass die Kinderdarsteller mit ihrer Unbekümmertheit einerseits und ihrer Kamerascheu andererseits viel zur authentischen Anmutung des Ambientes beitragen. Und zum anderen ist da Sarah Forestier in der Rolle der Lehrerin, die ihre feinnervige Grundkonstitution mit Zähigkeit und Kraft paart und permanente Überforderung mit eisernem Willen kontert. Auf diese Weise vermittelt sie ein glaubwürdiges Bild von einem der anstrengendsten und lohnendsten Berufe, die sich denken lassen.

09.07.2019 - 20:00 Uhr

VINCENT VAN GOGH; USA1956; R.Vincente Minelli

Vincent van Gogh - Ein Leben in Leidenschaft: Meisterwerk mit Kirk Douglas selbstzerstörerisch bis zum Wahnsinn.

Biopic über Vincent van Gogh (1853 – 1890). Als junger Mann arbeitet Vincent als Missionar bei belgischen Bergarbeitern der Borinage. Er verliert den Posten, geht, weil er sich zur Malerei berufen fühlt, auf Anraten von Bruder Theo nach Paris, wo er die Impressionisten kennen lernt, sich mit Paul Gauguin anfreundet. Cousine Kay erwidert seine Liebe nicht. In der Provence in Arles ein Schaffensrausch mit Bildern leuchtender Intensität. Er lebt mit Gauguin, die Freundschaft scheitert. Nach Sanatoriumsaufenthalt nimmt er sich in Auvers das Leben.

Am 23.07. zeigen wir als Ergänzung zu diesem Klassiker "Loving Vincent" von 2017.

23.07.2019 - 20:00 Uhr

LOVING VINCENT; Pol/GB 2017; R. Dorota Kobiela

Der schönste und überraschendste Kunstfilm des Jahres: „Loving Vincent“ ist eine Hommage an Vincent van Gogh, geschaffen von Künstlern aus aller Welt.

Ein Jahr nach dem Tod Vincent van Goghs taucht plötzlich ein Brief des Künstlers an dessen Bruder Theo auf. Der junge Armand Roulin soll den Brief aushändigen, doch er kann den Bruder nicht ausfindig machen und reist in den verschlafenen Ort Auvers-sur-Oise. Hier hat der berühmte Maler die letzten Wochen seines Lebens verbracht. Auf der Suche nach dem Empfänger stößt Armand auf ein Netz aus Ungereimtheiten und Lügen. Fest entschlossen will er die Wahrheit über den Tod des Malers herausfinden.

„Loving Vincent“ ist der erste Film, der vollständig aus Ölgemälden erschaffen wurde und van Goghs berühmte Bilderwelten auf der Kinoleinwand lebendig werden lässt. Ein nie dagewesenes Gesamtkunstwerk, das den Zuschauer visuell und inhaltlich tief in die Welt des Vincent van Gogh eintauchen lässt.

Ursprünglich als Kurzfilm geplant, wurde den Regisseuren Dorota Kobiela und Hugh Welchman schnell klar, dass „Loving Vincent“ das Potenzial für einen großen Kinofilm besaß. Dorota Kobiela hatte zuvor bei sechs Kurzfilmen Regie geführt und Hugh Welchman über 20 Kurzfilme produziert. Für seinen Animationsfilm „Peter und der Wolf” wurde er mit dem Oscar® ausgezeichnet.

Vier Jahre dauerte die Vorproduktion zu „Loving Vincent“: vom Drehbuch über die Finanzierung bis hin zum Dreh mit hochkarätiger Besetzung vor Blue- und Green-Screens. Als Kameramänner fungierten hier Lukasz Zal (Oscar®-nominiert für „Ida“) und Tristan Oliver („Fantastic Mr. Fox“, „Chicken Run“). Über 850 Motive fanden Eingang in den Film, wobei über 120 Gemälde von Vincent van Gogh entweder vollständig oder in Ausschnitten nachempfunden wurden.

In den zwei darauffolgenden Jahren wurden die realen Filmbilder von über 120 Malern in Ölgemälde übertragen. Dabei wurden über 65.000 Einzelbilder erschaffen, um van Goghs Werk zum Leben zu erwecken. Pinselstrich für Pinselstrich wurden die Gemälde leicht variiert und somit in Bewegung versetzt. Entstanden ist ein außergewöhnliches und einmaliges Seherlebnis, für das Clint Mansell („Black Swan“, „The Fountain“) einen hinreißenden Soundtrack komponierte.