Mitglied werden
Kommunales Kino Oberkirch
menschen.png

Programm

03.11.2020 - 20:00 Uhr

Filmland Island: UNDER THE TREE; ISL 2017; R: H.G. Sigurosson

Inga und Baldvin lieben ihren Garten, vielmehr noch lieben sie ihren prächtigen Baum! Doch seinetwegen liegen die Nerven ihrer Nachbarn brach: Das Gewächs wirft nämlich einen riesig-großen Schatten auf die Terrasse der wohlsituierten Nachbarschaft. Nix mit Sommer, Sonne, Sonnenschein. Die Bitte der Schattengeplagten, sich hurtig um das Ungetüm zu kümmern wird harsch abgewehrt.

Ihr Sohn Atli hat währenddessen selbst ganz andere Probleme: Schuld ist ein kleines Sex-Video, das zu einem großen Streit mit seiner Frau führt. Er muss zurück ins Elternhaus ziehen, doch hier sorgt der Baum weiterhin für Ärger. Wurde der Nachbar etwa mit einer Kettensäge gesehen? Als dann plötzlich die geliebte Katze verschwindet und Überwachungskameras installiert werden, ist allen klar „so klappt‘s nicht mit den Nachbarn“. Ein verbitterter Kampf unter den Familien beginnt und das Chaos im idyllischen Vorort scheint perfekt ...

Man ehre den Baum des Schattens wegen, behauptet ein altes deutsches Sprichwort. Glaubt man Hafsteinn Gunnar Sigurđsson, dann ist das Gegenteil genauso wahr: dass es nämlich Menschen gibt, die den Baum gerade wegen seines Schattens verfluchen. Kaum verdunkelt das Blattwerk zum ersten Mal das Gesicht von Eybjörg, der etwas zu jungen »Trophy Wife« auf der anderen Seite des Gartenzauns, wissen wir, dass dieser Schatten nicht nur unwillkommen ist, sondern ein chronisches Ärgernis, das die nachbarschaftlichen Verhältnisse am Rande Reykjavíks mächtig belastet. Noch spielt sich kein offenes Drama ab unter dem Baum, aber die Zeichen stehen auf Sturm.

Ein klassisches Genremuster prägt die Story von »Under the Tree«, Sigurđsson verkompliziert die Angelegenheit in seinem vierten Spielfilm allerdings noch durch eine parallele Story, die zunächst nur lose mit dem Plot verbunden ist. Gleich zu Beginn erleben wir mit Atli und Agnes ein weiteres, deutlich jüngeres Ehepaar, das – eine interessante Spiegelung des zentralen Clinchs – in seiner Mietwohnung unter dem Lärm von nebenan an leidet, vor allem aber wegen eines delikaten Missverständnisses in eine handfeste Krise gerät. Als vermeintlicher Ehebrecher landet der etwas schusselige Atli vor der Tür und kehrt so notgedrungen zu seinen Eltern zurück: zu Inga und Baldvin, die inzwischen, nun ja, den Wald vor Bäumen nicht mehr sehen.

10.11.2020 - 20:00 Uhr

VON MENSCHEN UND PFERDEN; ISL 2013; R: B. Erlingsson

Ein Film, der ins Herz zielt, Liebe verspricht und Pferde liefert, der jedem Reiter und Islandfreund ein weiteres Rätsel aufgibt und dabei Freud und Leid auf ganz eigene Weise vermischt.

Dieses kleine isländische Meisterwerk ist ein Liebesfilm. Er zeigt, wie Liebe blind macht, dass sie zur Raserei führen kann, dass sie immer wieder dem Trieb gehorcht und dass dabei ein Gefühl bleibt, das auf Erfüllung drängt. Von Pferden und Menschen ist ein Film über die Einsamkeit von Liebenden und, wie Regisseur Benedikt Erlingsson es selbst beschreibt, »über das Pferd im Menschen und den Menschen im Pferd«. Das klingt absurd, ist es auch und hat doch viel mit dem zu tun, was in diesem Film zu sehen ist. Und auf das Sehen kommt es an, denn gesprochen wird in der nordisländischen Einöde, in der es auch im Sommer mal schneien kann, nur sehr wenig.

Der Film beginnt mit einem Betrug. Die weiße Stute, die Kolbeinn über alles liebt, wird ihm untreu. Vor der Tür von Kolbeinns Angebeteter Solveig lässt sich diese Stute von deren Hengst bespringen, und zwar während Kolbeinn noch im Sattel sitzt. Ein Bild voll absurder Komik und gleichzeitig tiefer Traurigkeit. Zu Hause wird der gekränkte Kolbeinn seine geliebte Stute erschießen und auch Solveig keines Blickes mehr würdigen.

Mit dieser Episode beginnt ein Film, der die Islandponys in den Mittelpunkt rückt. Der Abspann betont, dass keinem dieser Pferde ein Leid angetan wurde, und verrät, dass alle Beteiligten Pferdebesitzer und -liebhaber seien. Und das ist wichtig, denn man sieht eines dieser Pferde durch das eiskalte Meer schwimmen, nur weil sein Reiter illegalen Wodka von einem russischen Schiff kaufen will. Der Wodka wird ihn umbringen, das Pferd überlebt. Ein anderer, der mit seinem Trecker die Verfolgung von zwei Ponys und einem Reiter aufnimmt, wird für diesen Verrat büßen und eine Klippe he­runterstürzen. Und wieder ein anderer, ein gottsuchender Gast aus dem fernen Südamerika, wird nur im Bauch seines toten Pferdes vor der Kälte geschützt. Vor allem aber wird Kolbeinn sich am Schluss seine Ehre zurückerobern. Bei einer Treibjagd wird er mit Solveig schlafen, auf offener Wiese, beobachtet von den vielen Witwen des Dorfes, und dabei deren Hengst am Zügel halten.

Benedikt Erlingssons Film ist ein wunderbarer Reigen, der das merkwürdige Wesen des Islandpferdes hochleben lässt. Er zeigt den Stolz dieser Tiere, die immer wieder aufs Neue eingefangen und überredet werden müssen, sich satteln zu lassen. Er zeigt die Kraft, mit der sie in Wind und Wetter drauflosstürmen. Und nicht zuletzt das immer etwas zappelig wirkende »Tölt«, jene spezielle isländische Gangart, die den Reiter gerade, aufrecht und fest im Sattel sitzen lässt und in dem unwegsamen vulkanischen Gelände die einzig sinnvolle Art der Fortbewegung ist. Und so hat dieser Film kaum eine Geschichte jenseits seiner kruden Charaktere, die wir schon aus den Romanen von Hallgrímur Helgason oder aus den Filmen von Baltasar Kormákur kennen. Und dass der große isländische Regisseur Fridrik Thór Fridriksson diesen Film produziert hat, trägt sicher auch einiges zu dessen schrägem Charme bei.

 
<form id="comment-form" class="comment-form" accept-charset="UTF-8" method="post">
<input id="edit-name" class="form-text" maxlength="60" name="name" size="30" type="text" value="" /></div>
<input id="edit-subject" class="form-text" maxlength="64" name="subject" size="60" type="text" value="" /></div>
<textarea id="edit-comment-body-und-0-value" class="text-full form-textarea required" cols="60" name="comment_body[und][0][value]" rows="5"></textarea>
</form></div>

01.12.2020 - 20:00 Uhr

GEGEN DEN STROM; ISL 2018; R: B. Erlingsson

Eine Frau gegen den Kapitalismus

Eine Ende 40-jährige Frau geht durch die isländische Landschaft, eigentlich sieht alles gewohnt schroff, atemberaubend und faszinierend aus. Sie könnte eine Wanderin sein – oder eine derjenigen Frauen, die den Weg zurück zur Natur suchen. Dann hält sie an einem Strommast und legt los: Mit einer Säge und Pfeil und Bogen sabotiert sie routiniert und konzentriert diesen Mast und damit die Stromversorgung.

Halla ist eine geheime Öko-Guerilla-Aktivistin, die gegen die Energiekonzerne kämpft, die das Land ausbeuten wollen. Sie ist überzeugt, dass die Politik einen Ausverkauf der Natur betreibt, indem immer mehr multinationale Konzerne nach Island kommen, um mit den natürlichen Ressourcen Gewinn zu machen. Es sind selbstlose Aktionen, die aber gefährlich sind – glücklicherweise bekommt Halla zweimal die Hilfe eines Mannes, der möglicherweise ihr Cousin ist – und die die Öffentlichkeit und Polizei zunehmend in Aufruhr bringen. Doch Halla ist lange Zeit sicher: Die öffentliche Meinung ist zunächst durchaus auf ihrer Seite. Vor allem aber würde niemand vermuten, dass eine mittelalte Frau hinter diesen Taten steckt, solange es einen männlichen, spanisch sprechenden Touristen gibt, der alleine aufgrund seines Aussehens verdächtig erscheint.

 

Das erste Drittel von Gegen den Strom ist prägnant und ein bitterböser Kommentar auf eine Zeit und Gesellschaft, in der der Ausverkauf der Natur an den Kapitalismus mit der ewig gleichen Mär von Schaffung und Erhalt von Arbeitsplätzen betrieben wird. Dabei bewegt sich Benedikt Erlingsson durchaus gekonnt auf einem schmalen Grat beispielsweise bei dem Verweis auf racial profiling. Ohne dass es ausgesprochen wird, ist klar, warum der Tourist angehalten wird – und dennoch dreht Erlingsson diese Vorfälle durch ihre Häufung und Zufälligkeit derart ins Absurde, dass die Komik die Bitterkeit entlarvt. 

Im Zentrum steht Halla, eine Frau, die es satt hat, nur noch zuzusehen und dagegen vorgeht. Woman at War ist der englische Titel des Films – und man würde sich wünschen, mehr von diesem Krieg zu sehen. Doch dann flattert ein Brief in Hallas Haus: Vor einigen Jahren hat sie einen Antrag auf Adoption eines ukrainischen Waisenkindes gestellt, den sie fast vergessen hatte. Nun wurde er genehmigt – und Halla kann Mutter sein. Damit scheinen ihre Wut, ihr Feldzug gegen die Umweltzerstörung nur eine Ersatzbefriedigung zu sein, ein Surrogat für eine nicht stattgefundene Mutterschaft. Der Kampf für Mutter Erde statt Mutter eines Kindes – doch nun kann sie letzteres sein und muss ersteren dafür aufgeben. Denn keinesfalls kann sie die Adoption in Gefahr bringen, indem sie verdächtig wird hinter der Zerstörung der Strommasten zu stehen. 

Das ist eine Entwicklung, die zunächst ein wenig frustriert: wieder einmal ist Mutterschaft die entscheidende Triebfeder für das Handeln einer Frau. Aber immerhin bewegt sich Gegen den Strom nun nicht weiter auf ausgetretenen Pfaden, auf denen Halla glücklich Haus und Heim errichtet. Vielmehr nimmt der Film die Konsequenzen ernst, die Hallas Handelns hat: die Polizei kommt der Wahrheit und damit Halla immer näher, außerdem ändert sich auch die öffentliche Stimmung. Dadurch entsteht Spannung, außerdem flicht Erlingsson allerhand komische, eigenartige, verrückte Einfälle ein: Halla hat eine Zwillingsschwester, die in einen indischen Ashram ziehen will, außerdem gibt es immer wieder Auftritte von Musikern – Tuba-, Akkordeon- und Schlagzeugtrio oder eine Gesangsgruppe, die folkloristische Musiken spielen. Diese Momente irritieren und verhindern bisweilen, dass der Film allzu melodramatisch wird. Bisweilen fühlt man sich gar an Roy Andersson erinnert. Aber manchmal wirken sie auch zu gewollt.

01.12.2020 - 20:00 Uhr

GEGEN DEN STROM; ISL 2018; R: B. Erlingsson

Eine Frau gegen den Kapitalismus

Eine Ende 40-jährige Frau geht durch die isländische Landschaft, eigentlich sieht alles gewohnt schroff, atemberaubend und faszinierend aus. Sie könnte eine Wanderin sein – oder eine derjenigen Frauen, die den Weg zurück zur Natur suchen. Dann hält sie an einem Strommast und legt los: Mit einer Säge und Pfeil und Bogen sabotiert sie routiniert und konzentriert diesen Mast und damit die Stromversorgung.

Halla ist eine geheime Öko-Guerilla-Aktivistin, die gegen die Energiekonzerne kämpft, die das Land ausbeuten wollen. Sie ist überzeugt, dass die Politik einen Ausverkauf der Natur betreibt, indem immer mehr multinationale Konzerne nach Island kommen, um mit den natürlichen Ressourcen Gewinn zu machen. Es sind selbstlose Aktionen, die aber gefährlich sind – glücklicherweise bekommt Halla zweimal die Hilfe eines Mannes, der möglicherweise ihr Cousin ist – und die die Öffentlichkeit und Polizei zunehmend in Aufruhr bringen. Doch Halla ist lange Zeit sicher: Die öffentliche Meinung ist zunächst durchaus auf ihrer Seite. Vor allem aber würde niemand vermuten, dass eine mittelalte Frau hinter diesen Taten steckt, solange es einen männlichen, spanisch sprechenden Touristen gibt, der alleine aufgrund seines Aussehens verdächtig erscheint.

 

Das erste Drittel von Gegen den Strom ist prägnant und ein bitterböser Kommentar auf eine Zeit und Gesellschaft, in der der Ausverkauf der Natur an den Kapitalismus mit der ewig gleichen Mär von Schaffung und Erhalt von Arbeitsplätzen betrieben wird. Dabei bewegt sich Benedikt Erlingsson durchaus gekonnt auf einem schmalen Grat beispielsweise bei dem Verweis auf racial profiling. Ohne dass es ausgesprochen wird, ist klar, warum der Tourist angehalten wird – und dennoch dreht Erlingsson diese Vorfälle durch ihre Häufung und Zufälligkeit derart ins Absurde, dass die Komik die Bitterkeit entlarvt. 

Im Zentrum steht Halla, eine Frau, die es satt hat, nur noch zuzusehen und dagegen vorgeht. Woman at War ist der englische Titel des Films – und man würde sich wünschen, mehr von diesem Krieg zu sehen. Doch dann flattert ein Brief in Hallas Haus: Vor einigen Jahren hat sie einen Antrag auf Adoption eines ukrainischen Waisenkindes gestellt, den sie fast vergessen hatte. Nun wurde er genehmigt – und Halla kann Mutter sein. Damit scheinen ihre Wut, ihr Feldzug gegen die Umweltzerstörung nur eine Ersatzbefriedigung zu sein, ein Surrogat für eine nicht stattgefundene Mutterschaft. Der Kampf für Mutter Erde statt Mutter eines Kindes – doch nun kann sie letzteres sein und muss ersteren dafür aufgeben. Denn keinesfalls kann sie die Adoption in Gefahr bringen, indem sie verdächtig wird hinter der Zerstörung der Strommasten zu stehen. 

Das ist eine Entwicklung, die zunächst ein wenig frustriert: wieder einmal ist Mutterschaft die entscheidende Triebfeder für das Handeln einer Frau. Aber immerhin bewegt sich Gegen den Strom nun nicht weiter auf ausgetretenen Pfaden, auf denen Halla glücklich Haus und Heim errichtet. Vielmehr nimmt der Film die Konsequenzen ernst, die Hallas Handelns hat: die Polizei kommt der Wahrheit und damit Halla immer näher, außerdem ändert sich auch die öffentliche Stimmung. Dadurch entsteht Spannung, außerdem flicht Erlingsson allerhand komische, eigenartige, verrückte Einfälle ein: Halla hat eine Zwillingsschwester, die in einen indischen Ashram ziehen will, außerdem gibt es immer wieder Auftritte von Musikern – Tuba-, Akkordeon- und Schlagzeugtrio oder eine Gesangsgruppe, die folkloristische Musiken spielen. Diese Momente irritieren und verhindern bisweilen, dass der Film allzu melodramatisch wird. Bisweilen fühlt man sich gar an Roy Andersson erinnert. Aber manchmal wirken sie auch zu gewollt.

15.12.2020 - 20:00 Uhr

STAN & OLLIE; GB 2018; R: John S. Baird

Zum Abschluss des Kinojahres zeigen wir ein wunderbares Biopic, das sich verneigt sich vor der Genialität der beiden Komiker Laurel und Hardy.
Die Geschichte beginnt ganz oben – an einem Punkt also, von dem es nur noch abwärts gehen kann. 1937, während des Drehs zu Dick und Doof im Wilden Westen, sind Stan Laurel und Oliver Hardy auf dem Höhepunkt ihrer Karriere: Weltstars, das vielleicht größte Komikerduo aller Zeiten.
 
Regisseur Jon S. Braid präsentiert ein sanftes Drama mit melancholischem Grundton, das dennoch auch seine heiteren Momente hat und den Zuschauer mit der ansteckenden Komik der beiden Künstler ein Lachen ins Gesicht zaubert.

Obwohl der Film mehrheitlich im Jahr 1953 spielt, fängt er mit einer wichtigen Szene im Jahr 1937 an. Laurel und Hardy, die beide bei Hal Roach unter Vertrag stehen, drehen gerade die Komödie „Zwei ritten nach Texas“, fühlten sich aber ungerecht behandelt. Weil Roach viel mit ihnen verdiente, ihnen aber im Vergleich zu berühmten Kollegen wie Charlie Chaplin nur wenig blieb. Aber ihr Vertrag lief nicht zeitgleich aus und so versuchte Roach, sie gegeneinander auszuspielen. Das führte zu einem Bruch der Partnerschaft, auch wenn in den 1940er Jahren noch weitere Filme für 20th Century Fox folgen sollten. Die große Zeit von Laurel und Hardy war jedoch vorbei, aber im Großbritannien der frühen 1950er Jahre lässt sie sich zumindest kurzzeitig noch einmal wiederbeleben.
 
Laurel und Hardy begeben sich mit einigen ihrer besten Sketche auf Tournee, hoffen aber eigentlich auf einen neuen Film, der von einem britischen Produzenten versprochen wurde – eine humorige Version von Robin Hood mit Laurel und Hardy. Aber zuerst kommt die Tournee, und mit ihr nicht nur Probleme, sondern auch unbewältigte Dinge der Vergangenheit.Das Biopic stellt die letzte Tour des berühmten Komiker-Duos in den Fokus. Mit einer herausragenden schauspielerischen als auch maskenbildnerischen Leistung zeigen Steve Coogan und John C. Reilly, das Verhältnis zweier in die Jahre gekommener Künstler zwischen Freundschaft, Kollegialität, Sachlichkeit und Vertrautheit.