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Kommunales Kino Oberkirch
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Programm

11.02.2020 - 20:00

Umweltfilmreihe: WORAUF WARTEN WIR NOCH? ;F 2016; R. Marie-Monique Robin

Der erste Film der Umweltfilmreihe 2020 des Kommunalen Kino in Kooperation mit PAuLA e.V. und dem BUND-Renchtal über ein begeisterndes Wandel-Projekt ganz in der Nähe im benachbartenb Elsass:

Auf Initiative der Stadt Ungersheim startete 2009 ein partizipatives Demokratieprogramm mit dem Titel "21 Aktionen für das 21. Jahrhundert", das alle Aspekte des täglichen Lebens umfasst: Ernährung, Energie, Verkehr, Wohnen, Geld, Arbeit und Schule. "Autonomie" ist das Schlüsselwort des Programms, das darauf abzielt, die Nahrungsmittelproduktion zu verlagern, um die Abhängigkeit vom Öl zu verringern, die Energie-Bilanz und die Entwicklung erneuerbarer Energien zu fördern und die lokale Wirtschaft durch eine ergänzende Währung (den „Radis)“ zu unterstützen.

 

Der Film „Worauf warten wir noch?“ der Regisseurin Marie-Monique Robin beschreibt den „Transition-Prozess“ der französischen Gemeinde Ungersheim im Elsass. Im Anschluss an den Film stellten Rolf Weber und Claus Gößling von der Regionalgruppe GWÖ-ERW die Gemeinwohl-Ökonomie vor.  Zuerst lief der 5-Minuten-Kurzfilm über die GWÖ und gab den Anwesenden einen groben Eindruck davon, was die GWÖ ist und was sie zum Ziel hat. Trotz oder eher wegen der leider kleinen Teilnehmer*innenzahl ergab sich danach eine sehr konstruktive und gute Diskussion mehr über die GWÖ als über den Film selbst. Wichtige Fragen waren: Wie funktioniert die Zertifizierung? Gibt es schon eine staatliche “Belohnung“ zertifizierter Unternehmen? Wie kann man als ein/e interessierte/r Bürger*in erfahren, welche Unternehmen zertifiziert sind?

03.03.2020 - 20:00

COLONIA DIGNIDAD; D 2015; R. F. Gallenberger

Eine Glaubensgemeinde zwischen Sklaverei und Schuhplattler: Der Film "Colonia Dignidad" erzählt die Geschichte einer deutschen Sekte in Chile. Beeindruckend: Daniel Brühl und Emma Watson in den Hauptrollen.

Während des chilenischen Militärputsches 1973 werden Lena und ihr Freund Daniel von Pinochets Geheimpolizei gefangengenommen. Lena kommt frei, aber Daniel wird in die abgeschottete deutsche Kommune `Colonia Dignidad' verschleppt. Diese ist nach außen ein Musterdorf unter Führung des zwielichtigen Predigers Paul Schäfer, in Wahrheit aber eine tödliche Strafkolonie, die mit der herrschenden Diktatur zusammenarbeitet. Lena schließt sich der Kommune an, um Daniel zu finden und mit ihm zu fliehen.

 

Der Film katapultiert einen Teil deutscher Geschichte zurück in die Öffentlichkeit, der hierzulande in den vergangenen Jahren immer nur ab und an in Form Kleiner Anfragen im Bundestag von Grünen oder Linken auftauchte. Komplett aufgerollt und durchleuchtet ist dieser Abschnitt zumindest bis heute nicht, auch was die Rolle der Deutschen Botschaft in Chile angeht - die Vorwürfe, dass die Verbindungen zwischen Schäfer und Botschaft eng gewesen seien und man Geflohene der Sekte einfach wieder ausgehändigt habe, stehen nach wie vor im Raum. Auch das eine weitere Volte im Film, die umso dramatischer ist, als sie eben keine rein fiktionale, der Spannung geschuldete Idee zu sein scheint: Basis des Drehbuchs waren zahllose Zeugengeschichten.

Und weil diese Aufarbeitung nicht aufhören darf, kann man nicht genug betonen, wie elementar es ist, dass dieser Film so beeindruckend international besetzt ist: Brühl und Watson als deutsches Liebespaar in chilenischer Sektengefangenschaft, Michael Nyqvist (bekannt als Journalist Blomkvist aus der Verfilmung der Stieg-Larsson-Trilogie) in der Rolle des schwiemlig-brutalen Colonia-Dignidad-Gründers Paul Schäfer;

17.03.2020 - 20:00

STYX: D/Ö 2018; R. Wolfgang Fischer

Vor dem Hintergrund der aktuellen Seenotrettungsdebatte, dem Elend der Flüchtenden in seeuntauglichen Booten, dem Geschäft der Schlepper und der Unbarmherzigkeit der europäischen Gesellschaften bei der Frage nach der Aufnahme der Geflüchteten zeigen wir den vielfachpreisgekrönten Spielfilm von Wolfgang Fischer:

Wolfgang Fischers Drama STYX mit Susanne Wolff erzählt auf eindringliche Art von einer starken Frau, die allein auf hoher See einem kenternden Boot mit Flüchtenden begegnet – und nun die schwierigste Entscheidung ihres Lebens treffen muss.

Ganz alleine auf hoher See, unterwegs zu einer fast einsamen Insel – das ist der Traum von Rike, den sie sich nun endlich erfüllt. Sie mietet ein Segelboot und begibt sich von Gibraltar aus auf die lange Reise nach Ascension Island. Bis auf ein paar Funksprüche hier und da ist sie dabei nur auf sich gestellt. Doch Rike fühlt sich stark und gegen die Widrigkeiten gewappnet – bis sie eines Tages durch ihr Fernglas blickt und in nicht allzu großer Entfernung ein kenterndes Boot mit Flüchtenden entdeckt. Viele Menschen drohen zu ertrinken, einige springen ins Wasser, sie winken und schreien um Hilfe. Als mehrere Notrufe an die Küstenwache ins Leere laufen oder abgeblockt werden und keines der umliegenden Schiffe zur Hilfe eilt, muss Rike eine Entscheidung treffen: Soll sie helfen und dabei riskieren, selbst in Gefahr zu geraten? Oder soll sie nach Anweisung der Küstenwache Abstand halten und dabei zusehen, wie Menschen sterben? In seinem Film STYX wählt Regisseur Wolfgang Fischer einen ungewöhnlichen Einstieg.

Die Bilder von in Schlauchbooten, Fischkuttern und anderen Nussschalen auf dem Meer treibenden Flüchtlingen sind zum Sinnbild für die Migrationsdebatte geworden. Daran knüpft Wolfgang Fischer mit seinem Hochseedrama "Styx" an. Der Filmtitel deutet allerdings schon an, dass er das Thema auf allegorischen Gewässern verhandelt. Der Styx ist ein Fluss der Unterwelt, die Grenze zwischen den Lebenden und den Toten. Hier auf dem "Wasser des Grauens" - das bedeutet der Name "Styx" - stellt der Film die moralischen Fragen, die Rike ebenso überfordern wie die westlichen Gesellschaften: Wegschauen und weitersegeln, während sich vor den Augen eine humanitäre Katastrophe abspielt, geht nicht. Aber soll man Einzelne retten und viele andere sterben lassen? Oder versuchen, allen zu helfen, auch wenn das eigene Boot dabei sinkt?

31.03.2020 - 20:00

Thema Demenz: DAS INNERE LEUCHTEN; D 2019; R. Stefan Sick

Zwei Jahre lang begleitet Regisseur Stefan Sick Demenz-Erkrankte in einem Pflegeheim. Daraus ist jetzt ein sensibler und berührender Dokumentarfilm entstanden, den das Kommunale Kino Oberkirch in Kooperation mit dem Team des Pflegestützpunkt Achern-Renchtal präsentiert:

Fast schwebend bewegt sich Herr Volz durch die Gänge, tanzend folgt er einer inneren Musik, bisweilen sitzt er versonnen und dirigierend auf dem Sofa, als leite er seinen eigenen Chor. Herr Volz ist dement. Er lebt im Gradmann-Haus, einem Pflegeheim für Demenzkranke in Stuttgart. Zwei Jahre lang hat der Filmemacher Stefan Sick in der Einrichtung gedreht, hat Menschen beobachtet, denen nahezu ihr ganzes Leben abhandengekommen ist, wie der ­alten Dame, die einmal eine erfolgreiche Fotografin mit eigenem Studio war, sich aber auch angesichts alter Fotos nicht mehr an ihre Vergangenheit erinnert, ebenso wenig wie der Mann, der immer aufs Neue seinen Geldbeutel sucht.

Wie geht man als Filmemacher mit einem solchen Thema um? Wie nahe darf man an Menschen herantreten, die nicht wissen, dass sie eine Rolle in einer Dokumentation spielen? In dem Zwischenreich, das diese Menschen bewohnen, gibt es keine sinnstiftenden Lebenszusammenhänge mehr, keine Kommunikation im üblichen Sinn. Die Vergangenheit ist verloren, und selbst die Gegenwart lässt sich allenfalls für Sekunden festhalten. Stefan Sick nähert sich den Kranken behutsam, minutenlang ausschließlich beobachtend, auf erläuternde Kommentare, Schilderungen von Biografien oder andere Informationen verzichtet er.

Zwei Jahre lang hat der Filmemacher Stefan Sick im Gradmann-Haus, einem Pflegeheim in Stuttgart, Bewohner mit Demenz beobachtet – zurückhaltend, voller Respekt für diese Menschen, die keine Vergangenheit mehr haben. Eine Fotografin erkennt ihre eigenen Bilder nicht mehr, viele wissen nicht mehr, dass sie Verwandte haben, ihr Leben hat sich aufgelöst.

Schöne Landschaftsbilder, die Sick in seinen Film schneidet, stehen für den Wechsel der Jahreszeiten, den Kreislauf der Natur. Im Mittelpunkt dieses Berlinale-Films aber steht Herr Volz, der durch die Gänge tanzt, manchmal dirigiert er, als höre er eine innere Musik. Es sind solche glücklichen Momente, die dem Film, der die Trauer, Wut und Furcht der Patienten nicht verschweigt, seine Schönheit verleihen. Sie zeigen, dass auch diese Menschen, deren Innenleben uns verborgen bleiben muss, tiefe Freude empfinden.

Das Pflegepersonal in diesem sehr sensiblen Film ist so freundlich und mitfühlend, dass man inständig hofft, es möge überall in unserem immer älter werdenden Land so sein.

28.04.2020 - 20:00

VOGELFREI; F 1985; R.Agnes Varda

Der Film kann mit drei Worten definiert werden: Weite, Rebellion und Einfachheit.

Die winterlich kahlen Weinberge im Süden Frankreichs: Ein marokkanischer Landarbeiter findet in einem Graben die Leiche einer jungen Frau in abgerissenen Kleidern. Einige Menschen erinnern sich an die vagabundierende Mona, die in den letzten Monaten ihren Weg kreuzte.

Agnes Varda erhielt für "Vogelfrei" den Goldenen Löwen bei den Filmfestspielen in Venedig 1986. Ihre faszinierende Hauptdarstellerin Sandrine Bonnaire erhielt den César als beste Schauspielerin des Jahres.

Die winterlich kahlen Weinberge im Süden Frankreichs: Ein marokkanischer Landarbeiter findet in einem Graben die Leiche einer jungen Frau in abgerissenen Kleidern. Einige Menschen erinnern sich an die vagabundierende Mona, die in den letzten Monaten ihren Weg kreuzte.

"Mona ist eine Person, die immer extreme Reaktionen auslösen wird, weil sie nie Opfer ist, nie bedauernswert. Der Film kann mit drei Worten definiert werden: Weite, Rebellion und Einfachheit. Ich wollte einen bewegenden Film machen, der auch über einige Begriffe wie den der Freiheit meditiert und der ein gut ausgedachtes Puzzle ist, bei dem aber einige Stücke fehlen", so Regisseurin Agnès Varda über die Hauptfigur und das Thema ihres Films, mit dem sie nach neun Jahren Arbeit mit Kurz- und Dokumentarfilmen eindrucksvoll wieder in die Spielfilmszene zurückkehrte und prompt den Goldenen Löwen in Venedig gewann. Ihre faszinierende Hauptdarstellerin Sandrine Bonnaire erhielt den César als beste Schauspielerin des Jahres. Trotz der quasidokumentarischen Betrachtungsweise vermittelt die Geschichte ein hohes Maß an Betroffenheit und regt die Frage nach dem Sinn der damaligen Lebensbedingungen an.

12.05.2020 - 20:00

Reihe Agnes Varda: Augenblicke - Gesichter einer Reise; F 2017

Die 89-jährige Regie-Ikone Agnès Varda und der 33-jährige Streetart-Künstler JR machen sich mit ihrem einzigartigen Fotomobil auf, um Frankreichs Menschen und ihre Geschichten zu entdecken und zu verewigen: in überlebensgroßen Porträts an Fassaden, Zügen und Schiffscontainern. Von der Provence bis zur Normandie widmen sie ihre Kunst den Menschen – sei es dem Briefträger, dem Fabrikarbeiter oder der letzten Bewohnerin eines Straßenzugs im ehemaligen Bergbaugebiet. Landschaften verwandeln sich in Bühnen, Gesichter erzählen von vergessenen Geschichten und aus Blicken werden Begegnungen von Herzlichkeit und Humor.

Madame Agnès ist eine lebhafte Zuhörerin. Die Wissbegier der zierlichen Filmemacherin mit der munter gefärbten Pilzkopfrisur ist so unverstellt und ermutigend, dass sie auch Menschen zum Erzählen bringt, die es nicht gewohnt sind und die im Kino eigentlich nie vorkommen: alte Bäuerinnen, junge Landarbeiter. In ihrem jüngsten Dokumentarfilm Augenblicke: Gesichter einer Reise sind die wahren Sehenswürdigkeiten der Orte, die Agnès Varda besucht, stets die Frauen und Männer, die dort leben.

Varda mag eine altgediente Avantgardistin sein, ihre Filme führen weiterhin ein vergnügtes, gar nicht trotziges Nischendasein bei einem weltweiten Publikum. Am 30. Mai 1928 wurde Varda im Brüsseler Stadtteil Ixelles geboren und fing nach dem Zweiten Weltkrieg an, als Fotografin zu arbeiten. Ihre Filme verraten zwar einen nachdrücklich weiblichen Blick – Die eine singt, die andere nicht von 1977 zeigt beispielsweise Vardas brennendes Interesse an unterschiedlichen Frauenbiografien –, als Gallionsfigur des Feminismus ließ sie sich dennoch nie vereinnahmen. Allzu hingebungsvoll erkundete sie in ihren Spielfilmen der Sechzigerjahre Entwürfe familiären Glücks, in denen sich auch die Innigkeit ihrer Ehe mit ihrem Kollegen Jacques Demy spiegelte.

Vardas Nostalgie ist entschieden lebenszugewandt und findet stets in die Gegenwart zurück. Ihre Schaulust ist zielgerichtet. Varda erwartet nicht, etwas bestätigt zu finden, sondern überrascht zu werden. Deswegen lässt sie auch in Augenblicke: Gesichter einer Reise andere sprechen und erfährt dabei viel über sich selbst.

Sie habe eigentlich keine Karriere gemacht, sagt sie von sich, sondern einfach das Leben einer Filmemacherin geführt. Erfolgreich war es allerdings schon. 2015 erhielt sie auf dem Filmfestival in Cannes die Ehrenpalme und im vergangenen Winter den Ehrenoscar (als älteste Person überhaupt) ­ jeweils für ihr Lebenswerk. Varda begreift die Preise wohl weniger als Höhepunkte ihres Schaffens denn als Wegmarken. So nutzte sie jüngst ihre Ehrenpalme in Cannes noch einmal dafür, auf die ungleiche Behandlung von Frauen im Filmgeschäft hinzuweisen.

26.05.2020 - 20:00

Umweltfilmreihe: DIE WIESE; D 2019; R.: Jan Haft

PAuLA e.V. und BUND-Renchtal zeigen in der Mediathek Oberkirch zusammen mit dem Kommunalen Kino den preisgekrönten Dokumentarfilm DIE WIESE  des bekannten Naturfilmers Jan Haft. Manche Filme kommen gerade zur richtigen Zeit ins Kino. »Die Wiese – Ein Paradies nebenan« ist so ein Film. Wer besser verstehen will, warum das Volksbegehren "Pro Biene" zum Insektenschutz, das den Schutz der Bienen forderte, aber natürlich alle Insekten meint, weit über Baden-Württemberg hinaus so wichtig ist, wird um ihn nicht herumkommen.

Sie ist das Paradies nebenan - die Wiese. Nirgendwo ist es so bunt, so vielfältig und so schön, wie in einer blühenden Sommerwiese. Hunderte Arten von Vögeln, Heuschrecken, Zikaden und anderen Tieren leben zwischen den Gräsern und farbenprächtig blühenden Kräutern der Wiese. Das Zusammenspiel der Arten, die Abhängigkeit der Tiere und Pflanzen voneinander, macht die Blumenwiese zu einem Kosmos, in dem es unendlich viel zu entdecken gibt. Eine faszinierende Welt, in der ein Drittel unserer Pflanzen- und Tierarten zu Hause ist.

In nie gesehenen Bildern und mit großem, technischen Aufwand gedreht, stellt die Dokumentation einige der schönsten, liebenswertesten und skurrilsten Bewohner unserer Wiese vor. Die Hauptdarsteller des Filmes sind junge Reh-Zwillinge, die ein Leben zwischen Waldrand und Wiese führen und den Zuschauer mitnehmen auf ihre Abenteuer.

DIE WIESE – EIN PARADIES NEBENAN führt die Zuschauer in eine Welt, die jeder zu kennen glaubt, und die doch voller Wunder und Überraschungen steckt und deren Fortbestehen immer gefährdeter ist.

Bitte beachten: Wir zeigen DIE WIESE um 20 Uhr in der Mediathek in Oberkirch.

 

Ein Paradies »von nebenan« nennt der Autor die Wiese und verweist auf etwas, das scheinbar alltäglich, normal, also gleich nebenan zu finden ist. Aber die sakrale Musik der einführenden Szenen verrät es: Das Biotop Wiese ist mehr – ein Stück Schöpfung, die der Mensch sogar mitgestaltet hat. Und jetzt ist er dabei, es immer rascher zu vernichten. Die Fakten sind bekannt, das Artensterben nimmt auf dramatische Weise zu. Jan Haft, Deutschlands derzeit erfolgreichster Naturfilmer, zeigt uns, was wir verlieren.

Die Idee ist eigentlich gar nicht neu. »Mikrokosmos – Das Volk der Gräser« lief schon 1996 in den Kinos und hat uns die Augen geöffnet für eine scheinbar vertraute Welt. Auch die ersten Warnungen vor dem zunehmenden Verlust der biologischen Vielfalt ertönten schon vor Jahrzehnten – und doch werden immer raffiniertere Gifte gesprüht, wird viel zu viel Jauche aus industrialisierter Viehwirtschaft über die Wiesen entsorgt. Und mit immer größeren Maschinen ackert man – manchmal sogar im Namen des Klimaschutzes – Wiese für Wiese um, pflastert unsere einstige Kulturlandschaft mit Maisöden zu, lässt Wildpflanzen, Insekten und Vögel verschwinden.

23.06.2020 - 20:00

Reihe "An der frischen Luft": WEIT; D 2017

Patrick Allgaier und Gwendolin Weisser stammen aus Freiburg und hatten den Film zunächst nur als Erinnerung für ihre Familie und die Freunde gedacht, die sie unterstützt hatten, doch bald zeigte sich, dass er sehr viel mehr Menschen ansprach. "Weit" wurde 2017 im Kino zum erfolgreichsten Dokumentarfilm im deutschsprachigen Raum, und 2018 ging die Erfolgsgeschichte weiter.In ihrem ermutigenden und hoffnungsvollen Film folgen die Zuschauer den Reisenden von Land zu Land bei ihren faszinierenden Begegnungen und Abenteuern, die sie mit der Handykamera dokumentierten. - Erfolgreichster Dokumentarfilm des Jahres 2017.

"Uns zieht es hinaus. Mit Rucksack, Zelt und nur dem, was wir wirklich brauchen. Und das alles über Land. Nie den Kontakt zur Erde verlieren. Immer Strecke spüren. Über die Meere mit dem Schiff, denn jeden Meter wollen wir mit all unseren Sinnen wahrnehmen, mit Zeit reisen. Wir lernen Grenzen kennen. Wollen lernen, was Verzicht heißt und was Genuss bedeutet."

Mit diesen Vorsätzen machten sich die Filmemacher auf den Weg und versuchten, das auch in der Montage ihres Films zu vermitteln. Der Zuschauer wird in ein anderes Zeitgefühl und die besondere Aufmerksamkeit für die Details in Natur und Alltag hineingezogen. Gwendolin Weisser und Patrick Allgaier ist es gelungen, kulturelle Grenzen und ganz praktische Hindernisse zu überwinden, indem sie den Menschen vertrauten, die ihnen begegneten. So demonstriert der einnehmende und immer wieder bewegende Film Weltoffenheit im besten Sinn.