Mitglied werden
Kommunales Kino Oberkirch
menschen.png

Programm

05.11.2019 - 20:00

DIE GRÜNE LÜGE; Österreich 2017; R. Werner Boote MEDIATHEK

Zusammen mit PAuLA und BUND-Renchtal zeigen wir in unserer Umweltfilm-Reihe "Die Grüne Lüge" in der Mediathek:

Kann man mit dem Konsum von als "fair" und "nachhaltig" deklarierten Produkten die Welt retten? Oder sind das vor allem grüngewaschene Marketingideen profit-orientierter Konzerne, die so den Absatz ankurbeln wollen? Diesen Fragen geht der renommierte Dokumentarfilmer Werner Boote gemeinsam mit der Greenwashing Expertin Kathrin Hartmann auf einer Recherchereise um die Welt nach. Die beiden Reisenden zeigen auf, welch Unterschiede klaffen zwischen dem, wie Konzerne produzieren und wie sie ihre Waren auf dem Markt anpreisen. Es geht z.B. um Palmöl, das sich in rund der Hälfte unserer Supermarktprodukte befindet und das so gut wie gar nicht nachhaltig produziert werden kann. Es geht um Elektroautos, um Konzerne wie BP und RWE und Ideen von einer gerechteren, demokratischeren Wirtschaftsordnung.

Filme wie dieser geraten leicht unter den Verdacht, ein preaching to the converted zu betreiben. Wer, der nicht schon skeptisch gegenüber den »Greenwash«-Kampagnen der Konzerne ist, sieht sich einen Film mit dem Titel »Die grüne Lüge« an, in dem eben dies anhand einer Reise durch die Welt von Produktion und Konsum »natürlicher« und »nachhaltiger« Dinge wie Palmöl oder Elektroautos belegt wird? Man kann dieser Falle entgehen, indem man neue Fakten recherchiert, sinnliche Eindrücke und persönliche Autorität zusammenbringt, vielleicht ein wenig formalen Thrill erzeugt und schließlich das Recherchierte in einen größeren Zusammenhang bringt. Von alledem tut Werner Boote in diesem Film etwas, der direkt an die Vorgänger »Plastic Planet« (über den Kunststoffmüll) und »Population Boom« (über Überbevölkerung und Verteilungsungerechtigkeit) anknüpft. Aus einem ganz persönlichen Gestus heraus beginnt diese Reise: »Mir wird gesagt, dass ich die Welt retten kann.« Man muss nur die richtigen Packungen im Supermarkt wählen und den Versprechungen zur »Nachhaltigkeit« glauben. Die Reise, die der Filmer unternimmt, wird mit Kathrin Hartmann geteilt, die seit Jahr und Tag den Desinformationen der Konzerne auf der Spur ist und einige Bücher zu diesem Thema veröffentlicht hat. Die beiden spielen ein wenig das Good Cop/Bad Cop-Spiel: Boote gibt den naiv Fragenden, der gern auch mal Fünfe gerade sein ließe, Hartmann ist für die unerbittlichen und bestens informierten Nachfragen zuständig. So gelingt es den beiden hier und da, die Mauer zu durchbrechen, die die Public-Relations-Maschinen der Konzerne aufgebaut haben; beinahe wichtiger aber ist, dass gezeigt wird, wie sie funktionieren. Auf der anderen Seite besucht man Menschen, die Widerstand gegen die Umweltzerstörung leisten. Die Quintessenzen liefert schließlich ein sparsamer Off-Kommentar. Eine zentrale Aussage des Films ist die direkte Kritik an einer Politik, die die Verantwortung für ökologisch und sozial akzeptable Ware den Verbrauchern zuschiebt und keinen Schutz vor irreführender Werbung wie der von einer »Nachhaltigkeit« der Palmölproduktion bietet, durch die Regenwald vernichtet und Menschen vertrieben werden.